| Lehrer auf Klassenreise verprügelt |
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| Freitag, 16 April 2010 | |
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Lehrer auf Klassenreise verprügelt - 64-Jähriger will Schüler vor Attacke eines Jugendlichen schützen und wird schwer verletzt - VON SASKIA DÖHNER UND VIVIEN-MARIE DREWS
Die Kaiserpfalzwiese in
Goslar (links) ist ein beliebter Treffpunkt. Ein Lehrer aus Hannover
wurde dort attackiert. Er soll an der Werner-von-Siemens Realschule
(rechts) unterrichten. Ein 64-jähriger Lehrer aus Hannover ist
während einer Klassenreise in Goslar mit Schlägen attackiert und schwer
verletzt worden. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei wollte der Lehrer
einem seiner Schüler zu Hilfe eilen – der 14-Jährige war während eines
Ausflugs mit fremden Jugendlichen aneinandergeraten. Als der Lehrer sich
einmischte, ging ein etwa 20-jähriger Mann mit Fäusten auf den Beamten
los und schlug ihm ins Gesicht. Der 64-Jährige stürzte zu Boden und
erlitt einen Oberschenkelhalsbruch.
Nach HAZ-Informationen
gehört der
Lehrer zum Kollegium der Werner-von-Siemens Realschule in der List. Der
64-Jährige war Anfang der Woche mit 25 Schülern des sechsten Jahrgangs
und weiteren Begleitern zu einer Klassenfahrt nach Goslar aufgebrochen.
Die Schulleitung war für eine Bestätigung der Vorgänge gestern nicht zu
erreichen. Wie die Polizei Goslar am Mittwoch mitteilte, ereignete sich
der Vorfall bereits am Dienstagabend gegen 21 Uhr an der
Kaiserpfalzwiese. Was genau sich dort zutrug, ist nach Angaben der
Ermittler noch nicht geklärt. Die Wiese vor dem Reiterdenkmal gilt
gerade bei milderen Temperaturen als beliebter Treffpunkt für
Jugendliche. Auch am Dienstagabend hatte sich dort eine Gruppe von rund
zehn jungen Leuten versammelt. Ob sie möglicherweise angetrunken waren,
konnte die Polizei nicht sagen. Der 64-jährige Lehrer, eine Kollegin und
die Schüler befanden sich nach einer Stadtwanderung auf dem Rückweg zur
Jugendherberge, als sie gegen 21 Uhr an der Kaiserpfalzwiese
vorbeikamen. Nach derzeitigen Erkenntnissen der Polizei soll der
14-Jährige aus den Reihen der Schüler die Jugendlichen vor dem Denkmal
angepöbelt haben. Daraufhin ging ein etwa 20-jähriger Mann auf den
Jungen los. Der Schüler flüchtete an seinem Lehrer vorbei, der
20-Jährige rannte hinterher. Der Pädagoge griff umgehend ein und stellte
sich dem Verfolger in den Weg. Zeugen berichteten, dass der Lehrer den
20-Jährigen festhielt, der Unbekannte ihm daraufhin erst eine Ohrfeige,
dann ein oder zwei Faustschläge versetzte. Daraufhin sei der 64-Jährige
hingefallen und auf eine Steinmauer gestürzt. Dabei soll sich der Lehrer
den Oberschenkelhalsbruch zugezogen haben. Der Schläger konnte in der
Dunkelheit entkommen. Er soll einen sehr auffälligen Haarschnitt haben:
an den Seiten kurz geschoren und in der Mitte einen kurzen, blonden
Irokesenschnitt. Ein Sprecher der Landesschulbehörde wollte die
Schilderung, dass ein Schüler aus Hannover die Gruppe vor dem Denkmal
provoziert habe, gestern nicht kommentieren. Er sagte, dass ein
Schulpsychologe die Kinder in der Jugendherberge betreue. Offenbar hat
der Vorfall die jungen Schüler zum Teil erheblich mitgenommen. Einige
seien bereits von ihren Eltern abgeholt worden, sagte der Sprecher. Die
anderen Schüler würden weiterhin von einer Lehrerin beaufsichtigt, es
gehe ihnen gut. Auch mit dem Lehrer, der seit Dienstagabend im
Krankenhaus liegt, habe man „im Rahmen der Fürsorgepflicht des
Dienstherrn“ gleich gesprochen. Die Schulbehörde werde Strafanzeige
gegen unbekannt stellen. Der 64-Jährige habe sich vorbildlich und
instinktiv richtig verhalten, als er sich vor seinen Schüler stellte,
sagte der Sprecher der Landesschulbehörde.
--------------- Bei Rangeleien nicht wegschauen Lehrer sollten schon bei kleineren Rangeleien zwischen Schülern einschreiten und nicht wegschauen, heißt es in einer im Januar 2010 herausgegebenen Handreichung der Landesschulbehörde für den Umgang mit Krisensituationen in Schulen: „Sofortiges Reagieren ist unabdingbar.“ Durch lautes Rufen („Hört auf“) sollte man Aufmerksamkeit herstellen und Hilfe holen. Wenn es ohne Selbstgefährdung möglich sei, sollte der Lehrer die Gewalttat sofort beenden und die Streithähne eventuell entwaffnen. Dabei sollte Körperkontakt und Sichtkontakt zwischen den Gegnern aber vermieden werden. Polizei und Notarzt müssten umgehend informiert werden. Gewaltopfer dürften in den Stunden nach dem Vorfall nicht alleingelassen werden. Verletzte Schüler müssen ins Krankenhaus begleitet werden. Opferschutzstellen und der notfallpsychologische Dienst sollten eingeschaltet werden. Erste Hilfe, auch psychische, müsse geleistet werden. Wichtig sei es, Hinweise von Schülern zu Gewalttaten unbedingt ernst zu nehmen. dö HAZ 15.04.2010 |




