| Zentralabitur soll gerechter werden |
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| Dienstag, 23 Februar 2010 | |
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Hannover. Die Aufgaben beim Zentralabitur sind überall gleich. Die Benotung kann aber unterschiedlich sein, je nachdem, was ein Gymnasium oder eine Gesamtschule von Schülern an Leistung erwartet. Wer an einer Lehranstalt mit hohem Anspruch die Hochschulreife erwirbt, kann bei der Bewerbung um einen an Noten gebundenen Studienplatz die schlechteren Karten haben. Im Kultusministerium wird jetzt überlegt, nach 2011 für Prüfungsarbeiten unabhängige Fremdgutachter einzusetzen – das berichten übereinstimmend Vertreter verschiedener Fachverbände.
Einen Schwenk
gibt es auch im Philologenverband, der die in manchen Bundesländern
übliche Praxis lange als bevormundend abgelehnt hat: In einer neuen
„Arbeitsgemeinschaft zur Vergleichbarkeit der Leistungen in der
Oberstufe“ haben die Gymnasiallehrer einen entsprechenden Vorstoß
gewagt. Ein Sprecher von Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann
(CDU) sagte zwar auf Anfrage: „Eine Veränderung ist nicht geplant.“ Das
heißt jedoch nicht, dass es nicht schon Signale an die Verbände gegeben
hat, beim Zentralabitur nachbessern zu wollen. Denn für viele Schüler
ist es ernüchternd zu sehen, wie auf Nachbarschulen – sei es ein
anderes (Fach-)Gymnasium oder eine Gesamtschule – gewechselte
Klassenkameraden plötzlich und anscheinend ohne Mühe ihre Noten
verbessern. Korrektoren von fremden Schulen, die wie etwa in
Baden-Württemberg anonym vorgelegte Prüfungsarbeiten gegenlesen,
könnten möglicherweise zu einer Angleichung von Anforderungen
beitragen. Zurzeit begutachten zwei Lehrer derselben Schule die
Arbeiten, die Landesschulbehörde nimmt nur stichprobenhaft Einblick.
Nicht zuletzt der auf die Durchschnittsnoten bezogene landesweit
veröffentlichte Vergleich, genannt „Ranking“, kann dazu führen, dass
bestimmte Schulen um eine gute Benotung besonders bemüht sind – spielt
diese doch für viele Eltern und Schüler bei der Schulauswahl eine
bedeutende Rolle. Gerichtsbekannt geworden ist das Beispiel eines
Schulleiters im südlichen Niedersachsen, der einer Fachlehrerin
vorschrieb: „Fünfen gibt es hier nicht.“
Die Abschlussprüfung selbst spielt für den Abiturdurchschnitt allerdings eine untergeordnete Rolle. „Sie macht nur rund zwölf Prozent an der Gesamtnote aus“, sagt Roland Neßler, Geschäftsführer des Philologenverbands in Hannover. Im Verband werde deshalb nicht nur über die Fremdkorrektoren, sondern auch über Vergleichsarbeiten in der Oberstufe neu nachgedacht, ebenso über Möglichkeiten, das Leistungsniveau stärker bei der Schulinspektion zu berücksichtigen. Keinesfalls dürfe der Wunsch nach mehr Abiturienten dazu führen, die in den vergangenen Jahrzehnten schon „erheblich gesunkenen“ Anforderungen weiter herabzusetzen. „Wir müssen die Schüler in die Lage versetzen, mit Aussicht auf guten Erfolg ein Studium oder eine Ausbildung anfangen zu können“, sagt der ehemalige Schulleiter des Gymnasiums in Gehrden. Die wachsenden Abbruchquoten an den Hochschulen zeigten, dass dies längst nicht immer der Fall sei. |




